Leitfaden für Einsteiger – Das erste Rennrad

Immer wieder erhalte ich anfragen von Lesern, die mit dem Rennradfahren beginnen möchten. Sie fragen nach nützlichen Tipps zum Rennrad kauf und Trainingsstrecken die für Anfänger geeignet sind. Da das Thema wirklich interresant ist und ich schon mehrmals ähnliche Antworten verfasst habe, möchte ich nun eine neue Reihe starten, den Leitfaden für Rennrad Einsteiger! Bei mir ist der Einstieg ja auch noch nicht so lange her, deshalb möchte ich wie immer meine Erfahrungen mit Euch teilen. Natürlich stehe ich Euch auch in zukunft für Fragen zur verfügung, gerne beantworte ich auch fragen zum Thema Ernährung. Speziell wenn es ums Thema Abnehmen geht kann ich gerne einige Tipps zum Training und zur Ernährung geben.

Aber nun geht es erst einmal mit Teil 1 des Leitfadens für Rennrad Einsteiger los.

Der Einstieg – Das erste Rennrad!

Gerade im Winter beschließen viele Leute sich im nächsten Jahr etwas fitter zu halten. Das liegt wahrscheinlich vor allem an den berühmten guten Vorsätzen fürs neue Jahr. Da Fahrradfahren bei ganz vielen Leuten ganz oben steht, denke ich ist dieser Leitfaden für Rennrad Einsteiger eine gute Hilfe für alle die mit dem Rennrad fahren anfangen wollen. Diesen sehr löblichen Vorsatz möchte ich gerne unterstützen!

Warum lohnt es sich mit dem Rennrad fahren zu beginnen

Die meisten Leute fassen gute Vorsätze fürs neue Jahr und ganz oben auf der Liste steht: Ich möchte gesünder und fitter sein und ich möchte abnehmen. Einige Leute entscheiden sich für das Joggen gehen und andere entscheiden sich für das Rennrad Training. Was für das Rennrad fahren spricht, ist die gelenkschonende Bewegungsweise. Während beim Joggen die Gelenke extrem belastet werden, gerade wenn man ein paar Kilos zu viel auf der Waage hat, schont man die Gelenke beim Fahrradfahren auf ganz natürliche Art und Weise. Beim Rennrad fahren müssen die knie nicht immer das ganze Körpergewicht abfangen, sondern gleiten in einer seichten, fließenden Bewegung immer wieder von vorne nach hinten, gestreckt und in gebeugt. Der Bewegungsablauf beim Fahrradfahren eignet sich also hervorragend zum Muskelaufbau in den Beinen und durch die fließende Bewegung für den ganzen Rumpf des Körpers. Außerdem ist Rennrad fahren natürlich ein spitzen Ausdauersport und der interresierte Leser weiß: Nur beim Training im Aeroben Bereich (Ausdauertraining ohne zu hecheln) verbrennt man Körperfett und behält seine Muskeln.

Mein Orthopäde (ich habe zwei Bandscheibenvorfälle aus meiner Zeit mit Übergewicht) hatte mir vor einigen Jahren vom Laufen abgeraten. Er sagte, dass er eigentlich einen Stand an der Alster aufmachen könnte, weil viele von den Joggern nicht ausreichend trainiert sind und sich viele so die Knie kaputt machen. Mittlerweile Jogge ich auch, mit einem guten Körpergefühl, aber ich habe auch nur noch 87kg bei 194cm auf den Rippen. Ich empfehle deshalb für den Einstieg die Anschaffung eines Rennrads. Rennrad fahren macht irre spaß und mir gefällt gerade das Gefühl immer etwas neues zu erreichen. Ob es nun eine längere Strecke geworden ist, oder ob ich auf bestimmten Streckenteilen (Segmenten) schneller geworden bin. Ich glaube, ich hatte noch keine Fahrt bei der ich nicht mindestens ein Erfolgserlebnis hatte.

Welches Rennrad soll ich mir kaufen

Ich kann euch jetzt natürlich keine explizite Kaufempfehlung geben, weil jeder seinen eigenen Geschmack hat und natürlich auch jeder Fahrer mit seinem/ihrem Körper ein anderes Fahrrad benötigt. Vor allem die Maße, also die Körpermaße, die Schrittweite und somit die Beinlänge und auch die Armlänge und die Oberkörperlänge sind entscheidend für das passende Fahrrad. Zwar gibt es Messmethoden welche auch die Fahrradläden verwenden um den passenden Rahmen zu finden, dennoch ist eine Probefahrt unabdinglich. Die Messmethoden stellen eher den ersten Schritt beim finden des passenden Rennrads da.

Wenn man in ein Radsportgeschäft geht bekommt man beim Neukauf eines Fahrrads sogar noch das dazu gehörige Fitting dazu. Fitting bedeutet nichts anderes, als dass das Rad genau auf den Fahrer abgestimmt wird.
Dabei hat der Zweiradmechaniker die Möglichkeit eventuell sogar noch Teile zu tauschen. Den Vorbau (für eine aufrechtere oder flachere position des Oberkörpers) und die Sattelstange und den Sattelunterbau um das Rad genau auf den Fahrer anzupassen. Zentimeter machen da einen himmelweiten Unterschied.

Ihr dürft nicht vergessen, dass Ihr – vorrasgesetzt ihr bleibt dabei und trainiert zumindest ambitioniert – auch gerne mal drei bis 6 Stunden auf dem Rad sitzt. Bei der extremtour, der Vätternrundan werde ich sogar zehn bis zwölf Stunden im Sattel sitzen (hoffentlich nicht länger). Wenn die Hände beginnen zu kribbeln oder ihr Schmerzen im Körper bekommt, ist Euer Rennrad nicht richtig auf Euch eingestellt. Es lohnt sich also auch bei einem Gebrauchtkauf noch mal zum Händler zu gehen sich sein Rad einstellen zulassen. Viele Händler mögen es natürlich nicht ein Rad zu fitten, dass nicht bei ihnen gekauft wurde, aber ein guter Rennrad Laden macht das trotzdem. Im Zweifelsfall müsst Ihr eben ein paar Euros da lassen. Bei Spezialisten, mit dem nötigen Equipment, kostet ein ausführlichen Fitting zwischen EUR 80,- und EUR 250,-

Fitting: Eine Investition die es in jedem Fall wert ist!

Unterschiedliche Rennrad-Typen

Für den Einstieg empfehle ich ein „normales Rennrad“. Also kein Timetrail oder Aerobike. Unter Normales Rennrad verstehe ich einen Allrounder vom Typ Langstrecke/Marathon. Diese Räder sind meist etwas robuster und von der Sitzposition etwas komfortabler. Keine Angst, von Außen ist kein unterschied zu erkennen. Mein erstes Rennrad war ein Cyclocrosser. Ich habe mir dieses Rad gekauft, weil ich dachte ich sei einfach zu schwer für ein richtiges Rennrad mit dünnen Reifen. Ist natürlich quatsch! Im Nachhinein hätte ich mir lieber ein Rennrad kaufen sollen. Das Gute am Cyclocrosser, ich habe einfach die Reifen getauscht und jetzt sieht mein Cyclocrosser aus wie wie ein Rennrad mit Scheibenbremsen, also eigentlich ganz hip. Allerdings ist die Ausstattung eben eher auf das Krossen ausgelegt und somit etwas schwerer als ein Rennrad in der gleichen Preisklasse.

Welche Ausstattung bekomme ich für mein Geld

Ich gehe davon aus, dass jeder Anfänger zwischen EUR 800,- und EUR 1200,- in sein erstes Rennrad investieren möchte. Das ist auch die Summe, die man bereit sein muss zu investieren. EUR 800,- zählt schon eher zur Kategorie Schnäppchen 😉 Natürlich bekommt man auch ein Rennrad das unter diesem Preis liegt, allerdings bekommt man dann ein Rennrad welches einfach nicht gut ist (wer billig kauft – kauft 2-Mal) oder Du bist ein Schnäppchen Genie. Nach ein wenig Recherche findet Ihr sehr schnell heraus welche Marken es gibt und ohne Erfahrung würde ich mich in jedem Fall an ein Markenprodukt halten.

Wie gesagt, habe ich mir als erstes Rennrad einen Cyclocrosser der Marke Centurion gekauft. Ich habe Scheibenbremsen – die ich extrem cool fand – und eine Shimano Tiagra Ausstattung. Die Tiagra Ausstattung ist etwas robuster, für einen Cyclocrosser eben, investiert hatte ich glatte EUR 1000,-

Für das gleiche Geld bekommt man aber schon ein reines Rennrad mit einer Shimano 105 Ausstattung, welche schon deutlich weicher und flüssiger agiert. Würde ich mir also noch mal mein erstes Rennrad kaufen, würde ich eher dazu tendieren. Die gute Einstiegs-Klasse gibt es bei jedem Hersteller. Man hat also die Qual der Wahl! Es lohnt sich auch weitere Wege in Kauf zu nehmen und das ein oder andere Mal das Telefon in die Hand zu nehmen, denn nicht selten gibt es Vorjahrsmodelle die extrem im Preis gesenkt sind. Dazu muss man wissen, dass Rennrad Modelljahr endet im August. Ab September kann die Schnäppchenjagt also losgehen.

Wo soll ich mein Rennrad kaufen

Natürlich guckt heutzutage jeder erst einmal online. Im Internet gibt es eine riesen Auswahl an Fahrrädern. Man kann sich schon mal einen guten Überblick verschaffen über Hersteller und unterschiedliche Bauarten. Vom Tourenrad, dem klassischen Rennrad, Marathon Rad, oder einem Aero Rennrad. Als Anfänger achtet man wahrscheinlich erst einmal auf optische Merkmale und entscheidet sich für das was einem am besten gefällt. Aber Achtung, nicht einfach Schrittweite messen und online bestellen. Ich würde jedem Anfänger empfehlen in mindestens ein Rennradfachgeschäft zu gehen. Ich habe zum Beispiel sehr viel Zeit in die Onlinerecherche gesteckt. Nachdem ich ein Fahrrad gefunden hatte was mir sehr gefallen hat, habe ich online Preise verglichen Rahmenhöhe gesucht und habe geschaut wo ich es am günstigsten kriegen kann. Weil ich mir noch nicht 100% sicher war, habe ich nach einem Fahrradgeschäft in Hamburg gekuckt das diese Marke führt. In der Hoffnung dass ich mir das Rennrad dort einmal ansehen kann. Ein gutes Rennrad ist ja schließlich eine große Investition. Siehe da, ich wurde fündig.

Ein Händler hatte das Rad. Er hat es für mich zusammengebaut und ich konnte eine Probefahrt machen. Ich genoss eine gute Beratung und er hat auch gleich ein paar Sachen umgestellt damit das Rad gut für mich passte. Und dann hat er mir auch noch ein guten Preis gemacht und zwar einen Preis der genauso hoch war wie der günstigster online Preis. Dafür hatte ich eine persönliche Beratung, ein gutes Bike Fitting und ich hatte einen Anlaufpunkt zu dem ich hin konnte wenn etwas mit dem Fahrrad war. Letzteres musste ich zwar nie in Anspruch nehmen aber es ist trotzdem ganz nett zu wissen dass wenn eine Anlaufstelle hat.

Rose und Canyon – Die Online Räder

Ich werde einen Deubel tun und etwas schlechtes über Rose oder Canyon sagen. Ganz ohne Zweifel, diese zwei reinen Versandhändler bieten super, extra geile Rennräder zu fast unschlagbar niedrigen Preisen. Gerade bei Canyon sprechen die Erfolge der Profiteams natürlich für sich. Ein stöbern durch den Online-Shop ist auf jeden Fall lohnenswert. Rose und Canyon bieten beide einen ganzen Haufen an Konfiguratins-Möglichkeiten an. Man könnte sein Rad also passend konfigurieren, wenn man denn genau wüsste was man eigentlich braucht. Für mich wäre das Verfahren zu komplex, mein Wissen würde schlicht nicht ausreichen um mir ein passendes Rennrad bau Rose oder Canyon konfigurieren zu können. Perfekt wäre wenn es Fachleute geben würde die einen vermessen und man dann mit seinen Maßen das passende Rad bestellen könnte, meines Wissens gibt es diese Leute aber nicht. Zumindest Rose hat zwei Anlaufstellen für interessierte, die sogenannten Biketowns. Hier kann der Rose interessierte sogar Testfahrten machen. Leider gibt es jeweils nur ein Rose Biketown in Bocholt und München, also Mittel- und Süd-Deutschland. Zu weit für mich um nur einmal neugierig zu stöbern.

Mich würde interessieren, ob die Hersteller im Direktvertrieb eventuell noch mehr Umsatz machen würden wenn sie einen Fitting-Service anbieten würden. Eine Überlegung wäre es meiner Meinung nach auf jeden Fall wert, ich denke ich wäre wohl schwach geworden.

Auf Grund des Preisvorteils erfreuen sich die Hersteller Rose und Canyon aber trotzdem großer Beliebtheit. Hier würden mich Erfahrungen interessieren, gute und schlechte (könnt Ihr gerne in den Kommentaren hinterlassen).

Fazit

Ihr seht es macht immer Sinn als Anfänger in ein richtiges Fachgeschäft zu gehen, sich gut beraten zu lassen und eventuell sogar noch einen besseren Preis zu bekommen. Nichts wäre schlimmer als wenn man 1000 € für ein neues Fahrrad ausgibt oder sogar noch mehr Geld und dann ein Fahrrad bekommt das nicht passt. Das Resultat sind Rückenschmerzen, kribbelnde Arme und eine geringere Geschwindigkeit. Nichts ist schlimmer als ein Rennrad das nicht zum Fahrer passt denn mit einem solchen Rad ist effektives Training – auch für Hobby Fahrer – nicht möglich. Rose und Canyon bieten hier eine günstigere Alternative. Die Betonung liegt auf günstigere und nicht günstige Alternative, denn viel, viel Geld kann man auch bei den Versandhäusern ausgeben. Wer sich sein erstes Rennrad kauft, sollte auf jeden Fall einen Fachhändler aufsuchen – besser noch mindestens zwei Fachhändler – um zu lernen was man eigentlich für ein Rennrad benötigt. Zwei Händler deshalb, weil man auch mal einen nicht so guten geraten kann, der einem vielleicht nur das verkaufen will was er gerade da hat.

Ihr seht, es gibt eine ganze Menge zu beachten wenn man sich ein Rennrad kaufen möchte das auch noch zu einem passt. Beim ersten Rennrad würde ich es mir nicht zutrauen das richtige zu wählen und ganz ehrlich, auch jetzt wäre ich mir da noch nicht sicher, dass ich nichts bei einem Online-Kauf falsch machen würde. Der Gang zum Fachhändler zum Kauf eines neuen Rennrads oder zumindest zum anschließenden Fitting ist für mich absolute Pflicht.

In diesem Sinne wünsche ich Euch einen guten Start in das Leben eines Rennradfahrers.

Ausblick

Der Leitfaden für Einsteiger soll eine kleine Serie werden, mit der ich Rennrad Einsteigern helfen möchte einen problemlosen Start hinzulegen. Außer dass man sich ein passendes Rennrad kaufen muss, möchte ich Euch auch gerne noch weitere Tipps geben. Zum Beispiel Strecken Tipps rund um Hamburg, damit Ihr schöne Trainingsrunden kennenlernt. Natürlich möchte ich auch noch einige Trainingstipps geben, damit Ihr nach einem seichten Eintritt in die Rennrad-Szene auch Eure Leistung stetig steigern könnt. Weiter wird es mit verschiedenen Ernährung-Philosophien gehen, denn Bewegung ist nur die eine Hälfte und Ernährung die andere.

Falls Ihr weitere Themenvorschläge habt berichte ich gerne aus meinem Erfahrungsschatz heraus oder recherchiere für Euch. Fordert mich heraus!

2 Kommentage zu “Leitfaden für Einsteiger – Das erste Rennrad

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