Burning Roads 2018 – Erfahrungsbericht

Burning Roads 2018

Der Ochtruper Radmarathon Burning Roads ist ein echtes Erlebnis und bietet dem ambitionierten Rennradfahrer einige Extreme. In diesem Jahr gab es sogar noch das Extrem Wetter, dazu aber später mehr. Bist Du ein passionierter und ambitionierter Rennradfahrer, stellst Du dich gerne einmal selbst auf die Probe und möchtest die Grenzen Deine Physis und Psyche kennenlernen:

Dann ist der Radmarathon Burning Roads in Ochtrup genau das Richtige für Dich!

Burning Roads – Fakten

Die Veranstalter des Radmarathons stellen zwei unterschiedliche Strecken zur Verfügung. Eigentlich sogar drei, weil man beide Strecken miteinander kombinieren kann. Die Einsteigerstrecke mit 210km und die Killerstrecke mit 330km. Die kurze Strecke ist eher flach und die 330km Strecke bretthart (O-Ton des Veranstalters). Bretthart, weil über 3000hm in ihr stecken. Und zwar keine Wellen bei denen man die 3000hm über die 300km Strecke sammelt, sondern echte Höhenmeter! Dass musste ich am eigenen Leib erfahren. Ich konzentriere mich in meinem Bericht mal auf die 330km Strecke, die mir ordentlich zusetzte, aber dazu später.

330km Regen, Hitze, Schwüle und Berge, Berge, Berge

Ein Leidensbericht

Am Titel erkennt Ihr schon, ich bin geschunden. Dass ist auch der Grund weshalb ich meinen Bericht sofort schreiben wollte (zumindest sofort angefangen habe), dass Gefühl des Leidens darf noch nicht vergangen sein. Irgendwie kam ich mir sehr routiniert vor, die MSR300 war ja erst zwei Wochen her, ich hatte eine super Zeit und ich war fit wie ein Turnschuh. Wie auch schon zuvor war ich in meinem VW Bus nach Ochtrup angereist und habe in meinem Multivan übernachtet und auch dieses Mal im kleinen Ochtrup klingelte mein Wecker um 3:30, denn der Start war ab 5:00 Uhr geöffnet. Nach der morgendlichen Hygiene für ich mit dem Auto zum Start, denn es sollte noch Frühstück für alle Fahrer geben. Angekommen am Start machte ich erst einmal mich und mein Rad fertig und fuhr dann zur Anmeldung. Es gab belegte Brötchen, Kaffee und natürlich Getränke. Es war eine entspannte Atmosphäre, insgesamt sollten ca. 300 Fahrer an den Start der 330km Strecke gehen. In Zehner Gruppen wurde alle paar Minuten eine Gruppe auf die Strecke geschickt, die – wie vom Veranstalter vorher angekündigt – zu keinem Zeitpunkt ausgeschildert war. Leider hatte ich Probleme mit meinem Wahoo Elemnt Bolt, der partout die Strecke nicht laden wollte. Später stellte ich fest, dass es einfach an der schlechten Internet Verbindung lag, dass nächste Mal einfach schon Zuhause runterladen. Dass sollte mich aber nicht aufhalten, es gab ja genügend andere Fahrer die ein Navi dabei hatten.

Etappe 1

Ins Gesamt waren vier Verpflegungsstellen für die Fahrer eingerichtet, eigentlich genug, auf Grund der Wetterlage allerdings etwas knapp bemessen. Die erste Verpflegungsstelle sollte nach 80km kommen und meine Gruppe zuckelte zügig los. Das Tempo war absolut moderat, aber dennoch merkte ich schon zu Beginn des Marathons, dass ich nicht zu 100% fit bin. Es wollte mir alles nicht so locker-flockig aus den Beinen fließen wie sonst. Die Strecke ging aber noch durch die Ebene und deshalb fiel es mir nicht weiter auf, außerdem habe ich es einfach weggewischt. Als nach 40km die ersten echten Steigungen kam, sah es leider schon anders aus. Ich bin als Hamburger Flachlandtiroler leider eh keine Bergziege, so schwer wie es mir an diesem Tag fiel, ist es mir allerdings zuvor noch nie gefallen. Wir hatten auf der ersten Etappe wettermäßig alles am Start, der Wetterbericht zeigte zwar dass es später warm werden sollte, am Morgen hatte es aber sogar noch kurz geregnet. Bis zur ersten Pause hatte sich das aber erledigt. Es wurde kurz geschnackt, was gegessen, die Blase entleert und ich wurde mal wieder auf mein SpeedX Leopard pro angesprochen, von dem es ja nur zwei bis drei in Deutschland gibt.

Etappe 2

Das nächste Depot war etwas über 70km entfernt. Die Temperaturen stiegen und stiegen. Bei der Ankunft im Depot waren also etwas über 150km gefahren und mein Wahoo Elemnt Bolt zeigte 27°C, im Schatten natürlich. Selbstverständlich war ich nicht der einzige dem die Hitze und die Höhenmeter zusetzten. In eine Halle konnte man sich zumindest vor der Sonne etwas schützen. Es lagen nun schon einige an Höhenmetern hinter uns und es sollte nun auf die nächste Etappe zur großen Mittagspause gehen.

Etappe 3

50km bis zur großen Mittagspause. Ich hatte mich mittlerweile mit zwei anderen zusammen getan die ähnliche Probleme mit den Steigungen hatten wie ich. Die nächsten 50km waren die härteten meines Lebens, im Ernst. Das Thermometer stieg auf 32°C und ca. 20km vor dem Depot stiegen meine beiden Begleiter aus. Irgendwo auf einer Steigung war bei Ihnen einfach Schluss und sie ließen sich abholen. Das blöde war, dass ich nun bis zum Depot ohne Navi fahren musste. Ich hatte so die grobe Himmelsrichtung, dass war’s aber auch schon. Den Ort wo sich das Depot befinden sollte hatte ich schnell gefunden, nun hieß es suchen, bei über 30°C und sehr im Arsch ☺zum Glück habe ich noch ein paar andere Teilnehmer getroffen, die mir den Weg wiesen. Glücklich kam ich an der Mittags-Station an. Als erstes mussten meine Schuhe erst einmal runter. Bei der Hitze war es einfach unangenehm sie zu tragen. Mir war alles egal, ich lieft einfach auf socken durch die Gegend.

Es gab wirklich leckere Nudeln mit Tomatensoße, mit und ohne Hack. Selbstverständlich habe ich mich für die Hack Variante entschieden. Es war wirklich lecker und weckte trotz der Hitze neue Lebensgeister in mir. Trotzdem beschloss ich nicht mehr die 330km Strecke zu Ende zu fahren, die letzten Berge wollte ich mir sparen.

Burning Roads - Höhenprofil

Etappe 4

Ich war zum Glück nicht der Einzige, der sich bei diesem Wetter die letzten Berge schenken wollte. Ich würde mal schätzen, ungefähr die Hälfte aller Fahrer hat nun abgekürzt. So fand ich auch eine sehr nette Gruppe der ich mich anschließen durfte. Der Kollege der mich beim ersten Depot auf mein Leopard Pro angesprochen hatte, fragte mich – wohl erkennend, dass ich nicht mehr die letzten Berge fahre – ob ich mit Ihnen die letzten 100km flach zurück fahren möchte. 100km …. Klangen mir noch in den Ohren, aber es gab keinen anderen Weg. Gefragt und getan! Ich hatte eine neue und wirklich angenehme Gruppe gefunden. Es war immer noch unerträglich heiß – ca. 14:30 Uhr – und ich saß schon über 9:30 Stunden auf dem Sattel, da war ich bei der Mecklenburger-Seenrunde schon durch mit den 300km.

Mit dieser Gruppe kam ich wieder in den gewünschten Tritt und ich bekam plötzlich wieder Spaß, vielen Dank noch mal an die Kollegen. Es gab nach knappen 60km noch ein Depot, innerhalb dieser 60km hatte ich meine 0,75L Flaschen auch beide geleert. Beim Stopp verriet mit mein Wahoo dass wir 38°C hatten. Wir sind also alle ab in die Halle des KFZ-Händlers, der seinen Laden den Veranstaltern zur Verfügung gestellt hatte und versuchten etwas Schaten zu genießen.

Finale Etappe 5

Nach 15 Minuten ging es dann auf die finale Etappe: Die letzten 40km! Man konnte die Erleichterung der anderen FahrerInnen förmlich spüren, dass die Hitzeschlacht quasi gewonnen war. Wir trudelten alle zusammen im Ziel ein, es gab untereinander noch Shake-Hands und ich bedankte mich bei Gruppe dafür, dass sie mich in Ihr Team aufgenommen hatten.

Im Anschluss holte ich mir noch ein Würstchen am Grill und stärkte mich erst einmal, mehr als ein Würstchen ging aber auch nicht rein (eher ungewöhnlich für mich). Ich machte mit drei anderen Paulianern aus meinem Club noch ein Gruppenfoto und dann ging es für mich auch schon wieder Richtung Schlafplatz. Ich brauchte noch eine ganze Zeit um komplett runterzukommen und um mich zu entspannen um schließlich in meinem Bully ins Bett zu fallen.

Fazit

Auf mein Erlebnis Burning Roads 2018 blicke ich mit gemischten Gefühlen zurück. Zum einen Ärgere ich mich, dass ich die nicht die ganz schwere Strecke geschafft habe, zum anderen ging an diesem Tag einfach nicht mehr. Trotzdem kann ich den Radmarathon Burning Roads wirklich jedem empfehlen der einmal an seine Grenzen gehen möchte. Ganz ehrlich: Die Vätternrundan ist nichts gegen diesen Radmarathon, dass ist zumindest meine derzeitige Meinung. Vielleicht war auch meine Gesamtverfassung an diesem Tag nicht perfekt und die Hitze hat sicher Ihr übriges getan, die Steigungen machen Burning Roads aber zu einer ganz besonders harten Nuss. Zum anderen würde ich in Zukunft keine 300km Rennen mehr in einem Abstand von nur 2 Wochen planen, dass ist eindeutig zu wenig Zeit um ausreichend zu regenerieren und dann wieder aufzubauen. In Zukunft würde ich mindestens 4 Wochen, aber idealer Weise 6 Wochen Pause zwischen solchen Veranstaltungen planen. Burning Roads 2019? Ich denke schon! Wenn es denn nicht mit anderen Terminen kollidiert.

Ein großes Lob gilt den Veranstaltern! Burning Roads hat eine Größe erreicht, dass das richtige Feeling auftritt, aber es ist noch immer sehr familiär und alle sind super freundlich und entspannt. Wirklich Topp! Über eine ausgeschilderte Strecke hätte ich mich trotzdem sehr gefreut.