Mecklenburger-Seenrunde 2018

MSR300 Medaille

Die Mecklenburger Seen Runde – kurz auch MSR300 genannt – ist das Deutsche Pendant zur legendären Vätternrundan in Schweden zur Sommersonnenwende. Es gibt viele Übereinstimmungen aber auch viele Unterschiede bei den beiden Veranstaltungen und beide sind sehr reizvoll. 2017 bin ich die Vätternrundan in Motala gefahren, in diesem Jahr dachte ich mir:

Warum in die Ferne schweifen, denn das Gute liegt so nah. …und so beschloss ich 2018 nicht wieder an den wunderschönen Vätternsee zu fahren, sondern nach Neubrandenburg an die Mecklenburger Seenplatte und dort die Mecklenburger Seen Runde zu fahren die in diesem Jahr Ihr 5. Jubiläum feierte.

Vorbereitung zur MSR300

Wie bereitet man sich auf einen Radmarathon mit 300km vor? Eigentlich ganz einfach: Fahren, fahren und nochmals Ihr ahnt es fahren. Das wichtigste sind Kilometer in den Beinen, gemischt mit ein paar schnellen Einheiten und ausreichend Regenerationsfahrten, wird das Ganze zum Vergnügen. Naja, natürlich nicht ganz so easy wie es sich gerade anhört, 300 km sind natürlich immer sehr viel, aber mit der richtigen Vorbereitung reduziert man das Leiden auf das geringste.

Trotz meines Bandscheibenvorfalls, den ich Ende Februar hatte und in Rekordgeschwindigkeit Therapieren konnte, schaffte ich es vor der Mecklenburger Seen Runde knappe 1.600 km in den Beinen zu haben. Das war natürlich nur möglich, weil wir hier in Hamburg einen quasi karibischen Frühling hatten. Tägliches Bike-2-Work und disziplinierte Ausfahrten machten mich schnell wieder fit, nach meiner Bandscheiben-Pause. Abgerundet hatte ich meine Vorbereitung mit einem langen Solo Ritt zu meiner Schwester in den Harz. 240km bin ich zwei Wochen vor der MSR300 alleine gefahren und ich kann Euch sagen, dass 240km alleine deutlich anstrengender sind als 300km in der Gruppe.

Ich fühlte mich nach diesem Tripp sehr gut vorbereitet und verspürte zu keinem Zeitpunkt mehr Angst, dass ich die 300km auf der MSR nicht schaffen könnte. In den letzten zwei Wochen vor der MSR 300 machte ich nur noch normale Trainings. Also nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig. Es nährte sich von nun an der große Tag der Vorbereitung und Abreise...

Auf nach Neubrandenburg

Wir schon im letzten Jahr, diente mein VW Bus als perfekter Begleiter auf meiner Mission. Am Vorabend meiner Abreise - Donnerstag - baute ich schon mal die zweite Sitzreihe aus, damit ich in meinem Multivan auch schlafen konnte. Am Freitag Morgen stand ich wie immer früh auf und schickte die Kinder zur Schule, im Anschluss daran packte ich all meine Klamotten zusammen, verlud mein Fahrrad und schon ging es los. Von Hamburg bis Neubrandenburg ist es ein ganzes Stück und vom Hamburger Stadtverkehr am Freitag Morgen möchte ich an dieser Stelle lieber nicht anfangen. Die Fahrt lies ich entspannt angehen und kam auch gut durch. Im nach Hinein war ich sehr froh schon am Vormittag los gefahren zu sein, denn von anderen Startern hörte ich später dass sie Stunden lang im Stau standen.

MSR300 Ziel

Mein Campingplatz war in einem Vorort von Neubrandenburg. Schön klein und nur 5km vom Start entfernt. Ich richtete mich auf dem Campingplatz erst einmal Häuslich ein und fuhr anschließend mit meinem Rad zum Start um mir meine Startunterlagen zu holen. Ich aß noch eine Grillwurst - oder waren es zwei? - und fuhr bergauf zurück zum Campingplatz. Ich verbrachte den Nachmittag noch mit meinen Nachbarn, ein Kollege aus Celle und einer vom Radsportverein Buxtehude. Es wurde noch was  gegessen, die Räder fertig gemacht und ein Bierchen getrunken. Das Bier erfüllte seinen Zweck und ich fiel um 20:30 Uhr in die Koje und schlief wie ein Baby!

Marathon Tag

MSR300 Start

Pünktlich um 3:30 Uhr klingelte mein iPhone und riss mich aus dem Tiefschlaf. Meine Startzeit war 5:00 Uhr und man sollte 30 Minuten vor dem Start am Start sein. Ich aß meine zwei Scheiben Brot, die ich mir am Vorabend geschmiert hatte, trank einen kalten Kaffee und stiefelte zur Dusche. So eine morgendliche Dusche bringt einen erst einmal auf Trapp! Fertig angezogen verstaute ich erst einmal meine ganzen Fressalien, Gels und Riegel, wischte den Tau vom Rad und los ging es an den Start.

Es war natürlich schon voll am Start, denn bereits seit 3:00 Uhr - wenn ich mich recht erinnere - sind hier alle 5 Minuten Fahrer gestartet. Ich hatte noch ca. 15 Minuten bis zum Start und reihte mich ordnungsgemäß ein. Wie im Fluge verging die Zeit und so war auch ich an der Reihe.

Start meiner MSR 300

Ich schätze in meiner Start-Gruppe waren so ungefähr 30 Fahrer. Wir setzten uns entspannt in Bewegung und es wurde vernünftig und achtsam gefahren. Brandenburg ist nicht sonderlich groß, weshalb wir schnell aus der Stadt raus waren. Ich blieb vorerst in meiner Gruppe und wir fuhren einen 25 km/h bis 28 km/h Schnitt.

Meine Gruppe war zu langsam

MSR300 Ray

Ich blieb für ca. 20 km in meiner Start-Gruppe. Wir wurden zwar noch nicht überholt, dennoch war mir das Tempo zu langsam. Ich beschloss also aus der Gruppe raus zu gehen und alleine etwas schneller zu fahren. Dass lief soweit auch ganz gut. Im Nachhinein entdeckte ich später auf Strava, dass ich in dieser Phase den 6. Platz All-Time-Best an einem Berg gemacht habe und dass mir, Berge 🙂

Nach 10 km alleine fahren kam eine flotte Gruppe an mir vorbei. Der Führende sagte direkt, dass sie zwei Vereinskollegen von mit - vom FC St Pauli - mit in der Gruppe haben und ich mich doch anhängen soll. Da lass ich mich natürlich nicht zwei Mal bitten. Von nun an ging es mit durchschnittlich 40 km/h durch Mecklenburg Vorpommern. Die ersten Depots wollte ich eh auslassen, aber als die Gruppe dann auch an dem Depot bei 111km vorbei fuhr dachte ich, ich könnte mal eine Toilette gebrauchen und die Flaschen waren auch schon fast leer.

Am Depot machte ich eine Pause von ca. 15 Minuten. Toilette, vier Scheiben Brot und Flaschen auffüllen nahmen halt Ihre Zeit in Anspruch. Außerdem stand die Sonne jetzt schon etwas höher und ich befreite mich von den Armlingen und der Weste, die ich bis hierhin getragen hatte.

Die Supergruppe trifft sich

MSR300 Gruppe

Für mich ging es nun wieder auf die Straße. Wie immer erst mal in den runden Tritt kommen und dann läuft es wieder, wie bei einer Nähmaschine. Nach ein paar Minuten kam eine Gruppe Radler von Hinten. An den Trikots erkannte ich sofort, dass es sich hier um eine feste Gruppe handelte. Trotzdem nahmen die Kollegen mich mit! Die Fahrer kamen alle vom TriCamp Team. Eine Art Triathlon Verein der sich zu Trainingslagern trifft. So habe ich es verstanden, bitte nicht schimpfen wenn das nicht ganz richtig ist. Das Team bestand aus vier Fahrern und einer Fahrerin (die Trainerin) und alle waren super nett. nach und nach gesellten sich noch ein paar andere Fahrer hinzu und durch das wechseln in der Führung hatte man immer einen neuen Gesprächspartner.

Zusammen bis in Ziel

MSR300 Gruppe

Wir fuhren von nun an die ganze Zeit zusammen. Bei Temperaturen von bis zu 36°C war gegenseitige Unterstützung auch wirklich notwendig. Irgendwie hat alles gepasst und ich kann es nicht oft genug erwähnen, alle waren super nett!!! Wir machten gemeinsam Pause und wir fuhren gemeinsam bis ins Ziel. Kaputt und glücklich klatschen wir uns alle ab und bemerkten übereinstimmen, dass die Gruppe es gerichtet hat.

Mein MSR300 Ergebnis

Ich weiß, die MSR300 ist kein Rennen. Trotzdem wertet man ja seine Resultate aus und an diesem Tag war ich wirklich glücklich und zufrieden (und total kaputt).

Strava Daten

Strecke: 297,8km

Bewegungszeit: 09:32

Bruttozeit: 10:22

Höhenmeter: 1.716m

Durchschnittsgeschwindigkeit: 31,2 km/h

Höchstgeschwindigkeit: 62,3 km/h

Kalorien: 7.622

Fazit

Mit meinem Ergebnis bin ich mehr als zufrieden. Einen Schnitt von 31,2 km/h auf 300 km ist für mich einfach mal magisch! Die Gruppe war einfach nur toll und ich hoffe, man trifft sich mal wieder! Die MSR300 ist eine tolle Herausforderung und eine schöne Veranstaltung jenseits von Vättern-Massen, nicht dass die Vätternrundan weniger Reiz hätte, es ist einfach etwas entspannter. Tolle Leute kennengelernt und neue Seilschaften geknüpft. Mein SpeedX Leopard Pro, hat mich super über die Strecke gebracht und mein Wahoo Elemnt Bolt hat sich um Navigation und Tracking gekümmert. Jetzt geht es am 9. Juni 2018 für mich zur nächsten Herausforderung, zum Burning Roads Radmarathon nach Ochtrup. 330km und über 3.000 Höhenmeter. Ich bin gespannt und werde Euch wieder berichten.