Bikepacking – Bodensee-Königssee-Radweg Teil 1

Training und Touren Bikepacking Bikepacking – Bodensee-Königssee-Radweg Teil 1

Bikepacking in Zeiten von Corona, eigentlich sollte dieses Jahr das TCR (Transcontinental Race) für mich stattfinden. Statt dessen war es eine durchwachsene Saison für uns alle:

  • Keine Rennen
  • Keine Marathons
  • Keine RTF oder sonstige Touren die einen motivieren
  • Kaum Vereinstrainings

Ich weiß, ich stehe damit nicht alleine da, gerade deshalb war die Planung einer Bikepacking Tour in diesem Jahr sehr schwierig und doch die einzige Möglichkeit für mich noch was schöne zu erleben. Bikepacking mit dem Rennrad Ende Oktober war meine Option.

Geplant war das Jahr 2020 total anders und genau deshalb ist eine Bikepacking Tour unter Corona Bedingungen so interessant und reizvoll.

Rennradsaison mal anders

Eigentlich wollte ich 2020 beim großen TCR mitfahren und mich im Vorfeld mit diversen Events darauf vorbereiten, doch bereits früh im Jahr wurde klar: Dass wird dieses Jahr wohl alles nichts 🤔 Da ich nicht alleine auf der Welt bin, hat dementsprechend auch meine Frau Ihr Jahr geplant. Getrennter Sommer Urlaub und ausreichend Freiraum für mich, damit ich mich auf das TCR auch entsprechend vorbereiten kann. So stand ich also da, ohne Rennen, ohne Marathons und natürlich ohne TCR.

Sommer ohne Urlaub

Am schlimmsten war dann, am Ende auch ohne Sommerurlaub. Im Sommer hieß es für mich Überstunden machen. Der Datenschutz wollte, dass Internetseiten einem neuen Cookie Consent Prozess folgen 😩, ich kann es nicht mehr hören. Statt schöner Bikepacking Touren den Alpen im Sommer, die ich als Alternative zum TCR gemacht hätte, habe ich sehr lange Tage im Büro verbracht. Auf Grund der aktuellen Homeoffice Regelung meines Arbeitgebers aber immerhin fast alleine im Office, ich habe mich mittlerweile häuslich eingerichtet 😂. Meine Bikepacking Tour verschob ich also in ruhigere Zeiten, Ende Oktober ging es dann für mich los.

Planung in Zeiten von Corona

Ich will hier auch nicht so doll auf Corona rumreiten, aber natürlich macht es eine Planung nicht leichter wenn Beherbergungsverbote und Risikogebiete existieren. Wie gesagt, ich bin kurz vorm zweiten Lockdown wieder gekommen. Man könnte sogar sagen, dass ich genau dass Fenster zwischen Beherbergungsverboten in Bayern und dem zweiten Lockdown erwischt habe - man muss ja auch mal Glück haben 😉

Ich erzähle jetzt mal nicht von meinen ursprünglich geplanten Routen, sondern nur von meiner Corona-kompatiblen Route.

Bodensee-Königssee-Radweg

Den Bodensee-Königssee-Radweg wollte ich schon immer mal fahren und da ich in diesem Jahr auch nicht so gut im Training war, wie die Jahre davor, erschien es mir sinnvoll nicht zu hart und zu viel zu planen. Alpen waren für mich Pflicht, ohne einmal im Jahr in den Bergen gewesen zu sein geht es mir schlecht. Nicht weil ich so eine Bergziege bin - ganz im Gegenteil - sondern weil ich die Berge liebe. Wer meinen Bericht von meiner Riva del Garda Tour gelesen hat, kann meine Liebesbekundungen wahrscheinlich schon nicht mehr hören 😂

Mit meinem Lieblings-Planungstool Komoot, habe ich meine Tour soweit es ging vorgeplant. Wenn man eine öffentliche Route fährt, muss man auch nicht viel Planen. Bei Komoot die richtige Collection raussuchen, speichern und rauf auf den Wahoo. Damit hatte ich das wichtigste erledigt. Noch ein Bahnticket nach Lindau am Bodensee gekauft und fertig war ich. Der Rest sollte wie immer spontan erfolgen, war in diesem Jahr ja eh nicht anders möglich. Nun geht es aber wirklich Endich los mit meiner Reise 🚴‍♂️

Anreise nach Lindau am Bodensee

Fahrrad im Zug
Fahrrad im Zug

Am Samstag, den 17. Oktober ging es Abends um 20:50 Uhr los mit dem Zug vom Hamburger Hauptbahnhof. Bis nach Lindau musste ich drei mal umsteigen und kam am Sonntag, den 18. Oktober pünktlich um 9:55 Uhr in Lindau an. Wer schon mal mit dem Zug nach Lindau gefahren ist, weiß dass es ein besonderes Ankommen in Lindau ist. Die Bahn fährt über einen Damm auf die Halbinsel (oder ist es nur eine Landzunge?), allein dass ist schon echt schön.

Hafeneinfahrt von Lindau
Hafeneinfahrt von Lindau

Der Bahnhof Lindau ist direkt am kleinen Hafen und an der schönen Altstadt. Lindau allein ist schon eine Reise wert. Allerdings würde ich das nächste Mal nicht am Sonntag Morgen da aufschlagen 😉

Nun brauchte ich erst einmal ein Ordentliches Frühstück, bevor das Abenteuer endlich losgehen konnte!

Etappe 1 - Lindau nach Rettenberg - Vorderburg

Eines vorweg: Es ging Heute fast nur bergauf und auf den letzten 5 km noch eine tödliche Steigung, aber ich will ja nicht am Ende anfangen. Nach einem kräftigenden Frühstück in Lindau ging es für mich Endich auf die Reise. Erst ein paar Meter am Bodensee entlang und dann direkt in die Berge. Eines vorweg: Viele Hauptstraßen und Städte hat man auf dem Bodensee-Königssee-Radweg nicht und dass ist auch gut so!

Ratz-Fatz im Allgäu

Gerade in Lindau gestartet, war ich auch schon mitten im wunderschönen Allgäu. Kleine Straßen und schöne Fahrradwege konnte ich sofort genießen. Nach ca. 6 km machte ich einen kurzen und meinen einzigen Abstecher nach Österreich. Eigentlich hätte ich hier wahrscheinlich nicht rüber dürfen, aber es waren nur ca. 5 km Straße in Österreich und ich habe auch nicht angehalten! Über eine kleine Brücke ging es dann wieder nach Deutschland und direkt in den Wald.

Bikepacking in Zeiten von Corona
Bikepacking in Zeiten von Corona

Lindau liegt auf ca 400 m über dem Meeresspiegel. Nach 38 km war ich dann auf 600 m und legte eine kleine Pause in einem Wald-Café ein. Leider gab es dort Mittags um 12 Uhr noch keinen Kuchen, aber ein großer Kaffee tat auch seinen Dienst.

Jetzt geht es bergauf

Nun ging es weiter Richtung Oberstaufen, dass liegt immerhin schon auf 800 m. Hinter Oberstaufen ging es erst einmal durch ein Tal umgeben von Bergen mit 1500 m und ich passierte den Aplsee. Lustiger Weise führte mich meine Route noch einmal rund um Sonthofen, bevor es in das große Finale dieser Etappe ging. In Sonthofen buchte ich schon mal das das Zimmer für die Nacht im Gasthof Hirsch.

Der Gasthof Hirsch war auch meine beste Unterkunft der ganzen Tour, eigentlich sollte sowas eher zum Ende kommen und dass für gerade mal etwas über 40 EUR. Da kann ich nur sagen, Hut ab.

Aber ich bin ja noch gar nicht da 😂

Nun geht es nämlich erst einmal ziemlich steil bergauf. Ja, diese Route liegt auf dem Bodensee-Königssee-Radweg und der Gasthof direkt an der Strecke. Ich hätte mir den Hügel also nicht irgendwie sparen können. Auf den letzten 7 km habe ich bis zum Gasthof noch mal 170 hm gemacht. Auch wenn es sich nicht so wild anhört, mit Gepäck und 100km in den Beinen fiel es mir schwer und ich wusste dann auch was ich getan habe.

Die Auffahrt wurde dann aber mit einem tollen modernen Zimmer und wirklich gutem Essen im Gasthof belohnt, da würde ich jederzeit wieder hinfahren!

Etappe 1 - Lindau -
105 km

Etappe 2 - Vorderburg nach Eschenlohe an der Loisach

Nach einer ruhigen und sehr erholsamen Nacht - im Bett ist es halt doch gemütlicher als in der Bahn - und einem leckeren Frühstück, packte ich mein Rad wieder und genoss den schönen Ort bei Tageslicht.

Es wäre ja auch sehr schade gewesen, wenn ich diesen schönen Ort nicht bei Tag gesehen hätte.

Es waren ca. 6°C und ich habe mich warm angezogen. Die Sonne hat im Stand zwar schon etwas gewärmt, aber wir kennen ja alle den kalten Wind. Es ging erst einmal durch eine wunderschöne und milde Landschaft, die typisch für das Allgäu ist. Genauso hatte ich mir das Allgäu vorgestellt 😍 Berge, viele Weiden und Kühe ohne Ende.

Nach 20km machte ich meine erste Kaffee und Kuchen Pause in Nesselwang. In der Sonne und im Stand waren es mittlerweile 18°C.

Zwischenstopp Schloss Neuschwanstein

Nun ging es für mich weiter Richtung Füssen, wo da berühmte Schloss Neuschwanstein zu finden ist. Auf der Strecke geht es nun immer mehr Richtung Alpen, bis man in Füssen vor der Nordwand der Alpen steht.

Kurz vor Füssen ging es erst einmal schön Bergab und dann flach durch Füssen. Hinter Füssen machte ich dann eine Mittagspause direkt unter dem Schloss Neuschwanstein.

Schloss Neuschwanstein
Schloss Neuschwanstein

Auf meiner Bikepacking Tour im Vorjahr, war in Füssen für mich Schluss. Nachdem ich in Hamburg gestartet, bis zum Gardasee und dann ein zweites Mal über die Alpen bin, nahm ich in Füssen den Zug zurück nach Hause. Nun ging es für mich aber noch weiter. Flach am Forggensee vorbei und dann ging es auch schon wieder bergauf. Meine Route führte mich immer entlang und über die Alpen, es war gerade bei diesem Wetter wunderschön.

Tagesziel ereicht

Gegen 18:00 Uhr erreichte ich meine heutige Unterkunft. Es war nun schon fast dunkel und es wurde natürlich auch schon wieder kalt. Der Gasthof war fast leer und so konnte ich mein Fahrrad einfach im Foyer abstellen. Die nette Wirtin fragte mich gleich noch wie viele Bier ich möchte, nicht ob sondern nur wie viele 😂, ich nahm danke zwei und ging auf mein Zimmer. Nach der warmen Dusche aß ich noch Überreste meiner Verpflegung vom Tag, denn die Küche hatte in dem Gasthof nicht mehr auf, ohne ausreichend Gäste lohnt es sich für die Betreiber eben leider nicht.

Etappe 2 - 107 km
Etappe 2 - 107 km

Etappe 3 - Eschenlohe an der Loisach nach Fischbachau

Nach dem aufstehen gab es erst einmal ein schönes Frühstück. Wie gesagt, der Gashof war sehr leer und so saßen wir maximal zu zweit in dem großen Frühstücksraum. Ich habe mir den Königsplatz am Fenster genommen und konnte mit Blick auf die Zugspitze mein reichhaltiges Frühstück genießen.

Blick auf die Zugspitze
Blick auf die Zugspitze

Drei-Seen-Tour

Heute stand die Drei-Seen-Tour auf dem Plan. Kochelsee, Tegernsee und Schliersee. Außerdem sollte es für mich noch durch Bad Tölz gehen. Es ging richtig flott los, auch die Steigungen machten mir - vorerst - keine Probleme. Kochel am See habe ich einfach ignoriert und habe lieber Kilometer gemacht.

So gegen 17 Uhr war ich dann am Tegernsee und hatte noch kein Mittag gegessen 😳 sowas passiert mir nicht häufig, kann ich Euch sagen 😂

Ich habe mir dann erst einmal ein halbes Hähnchen mit einer großen Portion Kartoffelsalat gegönnt. Ein Radler musste natürlich auch sein. Nach dem Essen blieb ich noch ein wenig sitzen und suchte mir schon mal ein Zimmer für die Nacht. Ich wollte nicht mehr allzu weit und beschloss kurz hinter dem Schliersee zu nächtigen.

Ich buchte also ein Zimmer für die Nacht in Fischbachau. Die Sonne ging langsam unter und so machte ich mich auf den Weg für die letzten 30 km. Es kamen noch einige überraschende Steigungen, so dass ich erst im Dämmerlicht in Fischbachau ankam.

Sonnenuntergang
Sonnenuntergang

Auf den letzten Metern musste ich feststellen, dass Komoot mal wieder etwas besonderen für mich ausgesucht hat. Es ging nicht die Straße hoch bis zum Gasthof, sondern schön über eine Kuhweide. Ich musste also noch etwas schieben.

Überraschung am Gasthof

Also ich oben am Gasthof ankam, sah der ganz schön geschlossen aus. Wunderte mich aber nicht weiter, durch fehlenden Gäste haben viele Gasthöfe nur wenig Personal vor Ort. Ich ging also zum Eingang des Gasthofs, leider war die Tür abgeschlossen. So klingelte ich mehrmals, aber leider tat sich nichts. Ich setzte mich vor den Gasthof und suchte die Telefonnummer raus, auch da ging keiner ran.

Nun kam ein Junger Mann aus der Gaststätte, ich fragte Ihn ob er wisse wie ich zu meinem Zimmer komme. Er meinte nur, er sei privater Gast des Inhabers des Restaurants und Gasthof und Restaurant gehören nicht zusammen. Ich schrieb noch eine Mail an die Unterkunft, in der Hoffnung es meldet sich jemand.

Mein Zimmer hatte ich über Booking.com gebucht und auch schon bezahlt. Alles in einem also sehr ärgerlich.

Nun kam der Inhaber des Restaurants raus und meinte, wenn es mich nicht stört dass ich mich mit zu seinem Besuch setze, kann ich gerne rein kommen. Das Angebot ließ ich mir natürlich nicht entgehen. Er hat dann versucht die Gastwirtin telefonisch zu erreichen und hatte Glück. Sie war scheinbar nicht auf mich vorbereitet. Ich wurde aber herzlich willkommen geheißen und hatte auch schnell das erste Bier in der Hand. Bevor die sehr unfreundliche Gastwirtin kam, hatte mich der sehr freundliche Gastwirt bereits mit mehreren Bieren und Kurzen glücklich gemacht 😂

Ich bekam widerspenstig ein Zimmer und die Wirtin brabbelte noch was von alles scheiße mit Beherbergungsverbot und dann wieder nicht. War mir egal, ich hatte ein Zimmer. Der nette Kerl aus dem Restaurant hat mich dann noch zum Essen eingeladen und ich hatte einen wirklich tollen Abend mit Ihm und seinen Gästen. Einfach toll, dass man klasse Leute immer zur richtigen Zeit kennenlernt!

Etappe 3 - 100 km
Etappe 3 - 100 km

Fortsetzung Folgt im nächsten Artikel 😉

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