Tour d’Energie 2019

Die Tour d'Energie, mit Start in Göttingen, ist immer mein Kicker für die Saison. Ende April ist für mich noch immer früh in der Saison und da zwingt es einen quasi wieder schnell fit zu werden und ausreichend Kilometer in den Beinen zu haben. Mit seinen 1300 hm (Höhenmetern) und einer länge von 100 km ist die Tour d'Energie ein anspruchsvolles Rennen für jeden Rennradfahrer. Die Anstiege, die es in sich haben, verlangen einem einiges an Leistung ab und es gilt den Hohen Hagen zu bezwingen auf dessen Anstieg es eine Bergwertung gibt. In diesem Beitrag möchte ich meine Erlebnisse bei der Tour d'Energie 2019 mit Euch teilen.

Tour d'Enerie 2019 - Meine Zieleinfahrt
Tour d'Enerie 2019 - Meine Zieleinfahrt

Ich bin ja eigentlich nicht der klassische Rennen-Fahrer. Mir liegt eher die Langstrecke und dieses mentale "Kämpfe, es kann nur einen geben" Typ. Die Tour d'Energie ist aber immer mein erstes offizielles Date in der Saison, damit ich auch rechtzeitig meinen Arsch hoch bekomme. Im letzten Jahr musste ich die Tour d'Energie (TdE) sausen lassen, da ich auf Grund meines Bandscheibenvorfall nicht rechtzeitig fit genug war. Weil die TdE Starterbeutel aber immer super sind, hatte ich ihn mir letztes Jahr von jemand anderem mitbringen lassen. Ich hatte aber bereits letztes Jahr beschlossen: 2019 hole ich mir meinen Beutel wieder selber ab!

Anreise

Traditionell geht es für mich schon immer einen Tag vorher Richtung Göttingen. Meine Schwester wohnt am Harz und von dort aus sind es nur noch ca. 40 Minuten bis nach Göttingen. So kann ich am Renntag noch etwas länger schlafen und die Familie besucht man ja auch immer wieder gerne. Samstag Abend um 20:00 war ich also bei meiner Schwester, nach einem Bierchen und etwas klönen ging es für mich um 22:00 Uhr ins Bett. Mein iPhone klingelte am nächsten Morgen um 6:40 Uhr. Das bedeutet für mich schon mal 40 Minuten mehr schlaf als unter der Woche.

Ich habe mich erst einmal in meine Zivil-Klamotten geworfen und habe mich auf den Weg gemacht. An der Tanke an der Autobahn gab es einen Kaffee und ein Brötchen, für den kleinen Hunger. In der Sparkassen Arena in Göttingen wartet ja noch mein TdE Frühstück auf mich.

Ankunft in Göttingen

Es war noch ausreichend Platz auf dem Parkplatz für meinen Bully, so dass ich nicht lange suchen musste. Es waren schon viele Teilnehmer da und ich liebe die Atmosphäre bei solchen Veranstaltungen. Alle laden ihre geliebten Rennräder ab und montieren die Startnummern am Rad und an den Klamotten. Die Aufregung der Fahrer ist bei solchen Events immer zu spüren.

Es war erst kurz vor 8 Uhr und der Start sollte erst um 10:50 für mich sein, ich hatte also reichlich Zeit. Zuerst ging ich in die Arena um meine Startunterlagen abzuholen. Es gab massig Schalter und es gab quasi keine Wartezeit. Die Unterlagen verstaute ich wieder im Auto und ging dann zurück in die Halle um mir ein Frühstück zu besorgen. Auf dem Weg dahin traf ich auch die ersten Paulianer und wir holten uns gemeinsam Frühstück. Was die Veranstalter da aufgefahren haben, war schon großartig! Ich bediente mich direkt beim Rührei und Bacon, dass nenne ich mal eine ordentliche Grundlage.

Rennen Vorbereitungen

Nun sollte es aber auch für mich in die Vorbereitung gehen. Nach einem kleinen Spaziergang bewegte ich mich zurück zu meinem VW Bus und begann mit meinen Vorbereitungen. Zuerst die Startnummer am Trikot und Helb angebracht, kam auch das Fahrrad dran. Kurz auf den Feedbackständer gebockt, Luftdruck noch mal erhöht und Nummer angebracht. Im Anschluss habe ich mich dann in mein Trikot geworfen, damit ich auch bereit für den Start bin.

Zeitlich hat alles nahezu perfekt gepasst. An der Startlinie noch mal die Blase auf einem der Dixi-Häuschen entleert und ich war bereit.

Start der Tour d'Energie 2019

Ich hatte einen Startplatz in Startblock D bekommen, Startzeit 10:50 Uhr. Ich stellte mich noch zu drei weiteren St. Pauli Fahrern und wir rückten langsam vor. Um 10:55 Uhr ertönte dann auch der obligatorische Startschuss, auch wenn die offizielle Zeitmessung erst eine Kurve später erfolgte.

Wie ein Kollege später richtig bemerkte: Die TdE ist eigentlich so etwas wie eine flotte RTF und das im positiven Sinne. Weil jeder die Zeit im Auge hat, macht man zwar keine Pausen, aber so richtig stressen tut man sich auch nicht. Man fährt zusammen und klönt während der mehr als drei Stunden mit vielen gleichgesinnten eines jeden Alters.

Rennverlauf

Nur mit leichten Bodenwellen auf der Strecke geht es aus Götting raus, ca. 15 km zum warm fahren. Dann kommt aber auch schon die erste Steigung zwischen Groß Schneen und Atzenhausen (so heißt der Ort wirklich). Auf diesem Abschnitt geht 4 km mit bis zu 8% Steigung bergauf. Es folgt eine sehr kurze Abfahrt, bevor es wieder auf einer Strecke von 6 km Bergauf geht. Dann folgt aber die erste schöne Abfahrt von 6 km länge hinein nach Hannoversch Münden.

Ab Hannoversch Münden geht es vorerst flach an Werra entlang, ca. 12 km kann man die Fahrt in der Ebene genießen, wenn dann die erste heftige Steigung kommt weiß man: Die Hälfte ist geschafft. In der Ebne lasse ich viele Leute hinter mir, dass ist eben mein Terrain. Während ich ordentlich Watt auf die Pedale bringe, erreiche ich eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 42 km/h auf die 12 km. Ohne Windschatten fahren! Es versuchen sich noch ein paar andere Fahrer in meinen Windschatten zu hängen, aber meine Maschine läuft und will nicht mehr aufhören. Nun kommen aber die eigentlichen Reize der Tour d'Energie: Berge. 6 km mit zwischen 4 und 9 % Steigung geht es nun auf den ersten Berg (meine Schwäche). Ich finde den ersten Anstieg immer etwas anstrengender als den Hohen Hagen, die anfeuernden Zuschauer bringen aber genug Motivation um diesen zu bezwingen. Ich gleite eher in meinem eigenen Rhythmus hinauf, mit einem Rennen haben die Anstiege bei mir nicht sonderlich viel zu tun.

Der Hohe Hagen wartet - Bergwertung

Am Ende eines Anstiegs da wartet? Die Abfahrt!

So ca. 10 km geht es nun bergab, nur von wenigen Bodenwellen unterbrochen, erreiche ich hier eine Geschwindigkeit von bis zu 60 km/h. Das macht ja schon riesigen Spaß und als Hamburger hat man sowas ja nicht allzu oft. Ich bin auch sehr zufrieden mit meinem SpeedX Leopard Pro, es liegt wunderbar auf der Straße und im Wind und ich bin einfach eins mit Ihm geworden.

Bei Kilometer 68 geht es in die finale Steigung: Der Hohe Hagen is awaiting You!

Anstieg Hoher Hagen
Anstieg Hoher Hagen

9 km mit einer Steigung von bis zu 12% geht es bergauf. In diesem Abschnitt gibt es eine Bergwertung, mit der ich aber - wie schon erwähnt - nicht viel zu tun habe. Solide, mit einer Geschwindigkeit von ca. 11 km/h fahre ich den Berg hoch. Ich weiß, einige schinden sich da hoch um eine gute Zeit zu fahren, ich halte das zu diesem Zeitpunkt in der Saison noch nicht durch. An diesem Schlüsselpunkt der Tour d'Energiestehen wieder viele Leute an der Straße und feuern einen an, das ist einfach ein Weltklasse Gefühl, wenn man aus dem letzten loch Pfeift und angefeuert wird.

Oben am Gipfel angekommen befindet man sich immerhin 500m über dem Meeresspiegel. Wenn man erst einmal oben angekommen ist, weiß man: Nun geht es fast nur noch bergab! Die letzten 25 km steckt man dann auch noch weg.

Abfahrt Hoher Hagen
Abfahrt Hoher Hagen

Auf der Abfahrt vom Hohen Hagen komme ich auf eine Spitzengeschwindigkeit von 69 km/h, da weht einem der Wind ordentlich um die Ohren. Gesicht und Ohren werden vor der Abfahrt auch wieder ordentlich eingepackt, denn es ist auf der Abfahrt immer kalt.

Abfahrt Hoher Hagen
Abfahrt Hoher Hagen

Ich rolle und trete mich also durch die schöne Landschaft rund um Göttingen und nehme diese kaum noch wahr. Bis ich die Stadtgrenze erreiche hält dieser meditative Zustand an. Dann geht es ganz schnell und ich sehe die Zielgerade. Ich gebe noch einmal alles und überhole tatsächlich noch den ein oder Anderen und rolle glücklich ins Ziel!

Tour d'Energie Zieleinfahrt
Tour d'Energie Zieleinfahrt

Fazit

Strecke: 100km

Zeit: 3:19:31

Durchschnittsgeschwindigkeit: 30,1 km/h

Am Ende des Tages war ich zufrieden mit meinem Ergebnis. Einen Schnitt von knapp über 30 km/h bei 1300 hm geht schon in Ordnung für mich. Nachdem ich mich umgezogen habe und losgefahren bin, stoppe ich noch kurz bei McDonald's um wenigstens einen Teil der Speicher wieder zu füllen und mache mich auf die Heimreise in meinem Bully.

Zufrieden war ich vor allem mit meinen Leistungen in der Ebene. Ich habe auf geraden Strecke einen klasse konstanten Pace hingelegt, auf den ich wirklich stolz bin. Die Berge bekomme ich schon auch noch hin, es ist ja noch früh in der Saison. Nächstes Jahr bin ich auf jeden Fall wieder bei der Tour d'Energie dabei und dann hoffentlich mit noch mehr Kilometern in den Beinen als in diesem Jahr.