Vätternrundan 2017 – 300km Natur, Spaß und Tempo

Das Traditionsrennen – die Vätternrundan – fand dieses Jahr zum 52. Mal in Motala statt. 300km am Stück rund um den Vättern, dem zweitgrößten See in Schweden mit Startzeiten zwischen Freitag 17:00 Uhr und Samstag 7:00 Uhr ist das längste und größte Jedermannrennen,  alles andere als eine Vergnügungstour. Ohne eine gründliche Vorbereitung geht hier nichts, wer nicht richtig trainiert, kann hier schnell am Straßenrand enden. Dass hört sich jetzt zwar etwas hart an, aber 300 km fährt man nicht so locker aus der Hüfte.

Warum Vätternrundan

foto: sportfotograf

Die Frage, warum man die Vätternrundan fährt, stellen sich wahrscheinlich viele Fahrer während der gesamten Tour und trotzdem kommen jährlich über 20.000 Fahrad-Verrückte kurz vor der Sommersonnenwende nach Motala um an der Vätternrundan teil zu nehmen. In diesem Jahr waren 24.000 Fahrer angemeldet und ca. 19.700 von Ihnen sind ins Ziel gekommen. Die Vätternrundan hat so Ihre Reize!

Da währen z.B. die 300km…

300km an einem Stück bin ich zuvor auch noch nie gefahren, dass längste waren 160km und danach war ich ganz schön platt. Allerdings hatte ich zuvor unterschiedliche Fahrtechniken/Fahrmodi ausprobiert um für mich die richtige Strategie zu finden, die 300km  auch zu schaffen. Ich hatte mir zum Ziel gesetzt unter 11 Stunden zu fahren und unter 15 Stunden Brutto zu bleiben. Damit ich möglichst konstant fahren kann, hatte ich mir fest vorgenommen mich niemals zu übernehmen. Sprich, die Muskeln niemals brennen zu lassen.

Mitten in der Nacht zu starten…

Mitten in der Nacht zu starten war ein besonderer Reiz, außer vielleicht das frühe aufstehen. Nachts ist das Wetter meist anders. Es ist meist windstill  alles etwas friedlicher, leider ist es auch deutlich kälter. Für den Samstag hatte der Wetterbericht Temperaturen von bis zu 25°C vorhergesagt, in der Nacht waren es aber nur knapp 10°C. Was die Bekleidung angeht musste also das Zwiebelprinzip angewendet werden.

Was nimmt man zu Essen mit, wenn man 300km auf dem Fahrrad sitzt?

Während meiner Trainingsfahrten hatte ich natürlich schon einiges an Essen getestet, ob die Kombination aus Gels und Riegeln mich aber wirklich über 300km bringt konnte keiner sagen. Ganz geschweige von dem Geschmack, den man nach all dem süßen Kram im Mund hat.
…Eins nach dem Anderen…

Reise nach Motala

Donnerstag, 15. Juni

Am Vormittag traf ich noch restliche Vorbereitungen. Der Bully musste fertig gemacht, die Lebensmittel eingeladen und mein Fahrrad auf den Träger geladen werden. Um 13:30 Uhr ging es im Hamburger Zentrum los Richtung Puttgarden – auf Fehmarn, wo es auf die Fähre ging. Wir mussten uns etwas beeilen um die Fähre noch pünktlich zu bekommen und der Stau auf der A1 hat meinen Zeitplan leicht in Gefahr gebracht. Es ging aber alles gut und um 17:15 Uhr haben wir die Fähre in Rodby verlassen.
Unser Zwischenstopp war der Campingplatz in Faxe (DK). Für Euch eigentlich eher Nebensache, aber der Campingplatz war so schön! Als wir auf dem Campingplatz in Faxe ankamen waren wir erst etwas verwundert, denn die Rezeption war nicht besetzt. Man konnte per Kreditkarte am Automaten einchecken, dass war für mich neu. Hat aber trotzdem alles perfekt geklappt. Der Campingplatz war recht leer, klar war ja auch Donnerstag und so konnten wir uns einen Super Platz für unseren Bully direkt an der Seite zum Stand sichern. Kosten: EUR 35,- sehr fair. Die Sanitären Anlagen waren Top und bis zum nächsten Wasserhahn waren es nur ein paar Schritte von unserem Stellplatz. Am nächsten Morgen konnten wir gemütlich an einem Tisch und Holzbank Frühstücken. Wirklich sehr zu empfehlen.

Freitag, 16. Juni

Essen bei Ikea

Im Nachhinein muss ich sagen: Zum Glück hatte ich nicht viel Zeit um über die Vätternrundan nachzudenken, sonst wäre ich noch aufgeregt gewesen…
Wir fuhren um kurz nach 9:00 Uhr in Faxe los und starteten auf die letzte Etappe Richtung Motala. Vorbei an Kopenhagen und Malmo in Richtung Norden, kamen wir 14:30 am Vättern an. In Jönköping – am südlichen Ende des Vättern – kehrten meine Frau und ich erst einmal klassisch Schwedisch zum Mittagessen ein: Bei Ikea.
Randnotiz: Ikea in Schweden unterscheidet sich weder beim Essen noch im Kaufhaus von den Ikea Kaufhäusern in Deutschland, nur Preise sind in Schweden etwas niedriger.
Nun war es noch ca. 1 Stunde entlang des Vättern bis Motala, von der Schnellstraße aus konnte ich mir schon mal einen kleinen Eindruck des riesigen Sees erhaschen: Grandios. Leider ließ das Wetter zu wünschen übrig. Es regnete schon seit Stunden und hat nur für maximal 5 Minuten Am Stück aufgehört. Wir kamen auf dem ersten Campingplatz in Motala an. Z-Parken wurde mir bei Facebook empfohlen, allerdings konnte ich mich mit dem Ambiente nicht wirklich anfreunden. Kurz Google gecheckt und 200m weiter gefahren, dort lag auch schon der nächste Campingplatz. Der Platz war zwar auch voll, aber es war viel schöner.

Vätternrundan 2017 – Motala Strand

Hier nisteten wir uns mit unserem VW Bus ein. Dadurch dass es die ganze Zeit regnete war es sehr matschig, wir mussten ja zum Glück kein Zelt aufbauen. Wir mussten allerdings noch in Zentrum von Motala, denn ich musste ja noch meine Startnummer und Transponder abholen.
Im Regen und bewaffnet mit meiner StartID fuhren wir mit dem Rad los Richtung Zentrum. Das Lager der Vätternrundan war nicht schwer zu finden, Motala ist nämlich sehr klein. Ich suchte das Zelt in dem ich meine Start ID gegen die Unterlagen eintauschen konnte. Typisch Schwedisch war die Customer-Jurney perfekt strukturiert. Erst gab es einen Schalter, an dem die StartID gescanned wurde, im Anschluss bekam man Startnummer und Transporder. Im nächsten Schritt konnte man an einem Terminal checken, ob man auch den richtigen Transponder bekommen hat, dann ging es weiter in ein riesiges, provisorisches Stadium Kaufhaus-Zelt wo man am Eingang einen Tüte für seine Unterlagen bekam. Man konnte die Anmeldung ach nicht auf anderem Wege verlassen, ich musste einmal durch Stadium durch laufen.
Wir waren nun mächtig nass und durchgefroren. Wir suchten uns noch ein Café, in dem wir uns etwas aufwärmen und eine Kleinigkeit essen konnten, im Anschluss ging es dann per Rad zurück auf den Campingplatz.
Nun hatte ich zwar meine Start-ID gegen alle meine benötigten Unterlagen eingetauscht, doch mein Rad musste ja auch noch fertig gemacht werden. Zum Glück endete der Regen gegen Abend und die Sonne kam auch noch mal raus. Ich erledigte also noch alles, was erledigt werden musste.

  • Transponder an den Helm
  • Startnummer ans Rennrad
  • Reifen aufpumpen
  • Rucksack und Rahmentasche mit Riegeln und Gels packen
  • Klamotten für die Fahrt bereitlegen
Schlafen im VW Multivan

Um 22:30 Uhr ging es für mich ins Bett und die Nacht sollte nicht lang werden…

Vätternrundan Tourbericht

Samstag, 17. Juni

Es ist 00:45 Uhr, mein Wecker klingelt. Voller Tatendrang bin ich sofort hell wach und erhebe mich aus meinem Bett, klettere nach vorn auf den Fahrersitz, wo ich vor gerade mal zwei Stunden alles bereitgelegt hatte. Ich öffne zuerst die Brotdose – ja ich hatte mir noch geistesgegenwärtig am Vorabend Brot geschmiert – und beiße erst einmal ab. Das Frühstück geht nicht so leicht runter wie sonst, es ist ja auch mitten in der Nacht. Aber ich weiß: Ich muss war ordentliches gegessen haben, bevor ich an den Start gehe. Sogar einen kalten Kaffee hatte ich für mich fertig gemacht. Während ich mich anzog habe ich also immer wieder von meiner Stulle abgebissen und bin im Anschluss zum Zähneputzen gegangen. Am Bully habe ich noch schnell meinen kleinen Rucksack aufgesetzt (Rennrad Rucksack, Deuter Road One), meine Schuhe angezogen und los ging es zum Start der Vätternrundan 2017.

Mein Start bei der Vätternrundan

Vätternrundan 2017 – Mein Startblock

Mit meinem Rennrad ging es die ca. 3km zum Start der Vätternrundan 2017. Ich war für den Startblock um 01:54 Uhr zugeteilt. 15 Minuten vor meinem Start traf ich auf dem Marktplatz mitten in Motala ein. Auf dem Platz herrschte reges treiben, denn hier startete alle zwei Minuten eine Startblock mit ca. 40 Rennradfahrern. 5 Minuten vor meinem Start reihte ich mich in meinem Startblock ein, komischerweise war ich noch immer nicht aufgeregt, ich war sehr locker und freute mich einfach auf das Erlebnis.
Kaum gewartet, ging es auch schon los. Die Gruppe setzte sich zügig in Bewegung und schnell hatte man Anschluss an die Starter vor uns. Das mischte sich wirklich sehr schnell, die Fahrer mit denen ich gestartet war, sah ich den ganzen Tag nicht wieder.
Wir hatten knapp über 10°C und das Fahren war sehr angenehm. Alle hatten hatten Licht am Rennrad (dass war übrigens Pflicht) und zügig, aber nicht zu schnell, ging es auf die ersten Kilometer. Ab ca. 03:00 Uhr wurde es wieder hell, noch nicht so hell, dass man das Licht aus machen konnte aber die Sicht war gut. Uns Rennradfahrern bot sich ein unglaublich schöner Anblick. Nachdem wir die ersten Wellen hinter uns gelassen hatten ging es an vielen Feldern vorbei, wovon es rund um den Vättern eine ganze Menge gibt und der Nebel saß noch auf den Feldern und sah einfach nur sagenhaft aus.
Nach 47km kam schon das erste Depot in Sicht und die meisten Fahrer fuhren auch es auch direkt an. Ich hatte mir jedoch vorgenommen keine Pause zu machen bevor ich nicht die ersten 100km voll hatte. Lediglich am nächsten Depot bei Kilometer 83 in Ölmstad füllte ich meine Flaschen und entleerte meine Blase, danach ging es sofort weiter auf die Strecke. Eins der großen Depots in Jönköping – bei denen es auch warmes Essen gab – ließ ich rechts liegen und fuhr weiter bis ich schließlich nach 133km das Depot Fagerhult erreichte, wo ich eine größere Pause geplant hatte.

Vätternrundan 2017 – Kaffee, Brötchen und Gewürzgurke

Die ersten 133km hatte ich mich auf dem Rad nur von Riegeln und Gels ernährt. Mittlerweile war es bereits 06:30 Uhr und ich hatte mir eine Pause verdient. Wie gesagt, war ich an dem großen Depot in Jönköping vorbeigefahren und machte mich auf die Suche im Depot von Fagerhult nach nicht süßem Essen. Dass war nicht einfach, in Schweden stehen die Leute wohl generell auf süße Sachen. Ich bin allerdings eher so der herzhafte Typ und stehe nicht so auf Industriezucker. Kein Witz: Das Einzige was es für mich zu essen gab, waren weiche Brötchen und Gewürzgurke. Ich kombinierte einfach beides und aß Brötchen mit Gewürzgurke. Ihr könnt gar nicht glauben wie lecker so ein einfaches Essen plötzlich sein kann und die Speise sollte mich noch den ganzen Tag begleiten.
Wenn ich mich recht entsinne habe ich sieben oder acht solcher Brötchen in mich reingestopft und fühlte mich danach richtig gut. Ein Kaffee musste natürlich auch noch rein, etwas Koffein um auch ja-nicht runter zu fahren. Ich trat noch einmal aus und machte mich wieder auf den weg.

Weiter auf die zweite Etappe

Ganz klassisch startete ich erst einmal wieder ruhig um in den Runden-Tritt zu kommen, nach ein paar Minuten schloss ich mich dann der nächsten Gruppe wieder an. Generell darf man nicht vergessen dass 300km in einer guten Zeit, eh nur in Gruppen zu schaffen ist. Dabei gilt es das richtige Gespür für die richtige Geschwindigkeit und die richtige Gruppe zu haben. Außerdem lernt man auf so eine großen Veranstaltung eine Menge interessanter Leute kennen.
Als ich so die Rückennummern der anderen betrachtete – auf den Rückennummern stand auch immer die Startzeit – stellte ich fest, dass zu diesem Zeitpunkt (ca. 150km nach dem Start) alle Leute um mich herum ein bis zwei Stunden vor mir gestartet waren. Egal, was das für eine Aussagekraft hat, es baute mich auf und ich fühlte mich bestärkt. Dadurch, dass ich im Dunkeln gestartet bin und um 06:30 Uhr meine erste richtige Pause eingelegt hatte, kam mir die Zeit auch noch nicht so lang vor. Durch das wechseln der Lichtverhältnisse fühlte ich mich als sei ich gerade erst los gefahren.
Gefühlt bin ich gefahren wie in Trance. Anders kann ich es mir nicht erklären wie ich diese Strecke so flott fahren konnte. Mein nächster Stopp war nach 204km um 09:00 Uhr in Karlsborg. Die Sonne war mittlerweile draußen und es war angenehm warm. Ich schätze es waren ca. 20°C und Sonne. Perfekte Bedingungen für mich. Hier zog sich die Pause auf Grund der Toilettensituation ein wenig in die Länge und natürlich gab es wieder Brötchen mit Gewürzgurke für mich.


In Karlsborg waren vielen Fahrern die Strapazen der Tour anzusehen. Einige lagen auf dem Rasen und haben geschlafen, andere dehnten sich gegen Krämpfe. Durch die Wärme war es zwar schön zu fahren, wer allerdings nicht genug trinkt hat mit Krämpfen zu kämpfen. Mir ging es soweit und so schwang ich mich frisch und gesättigt zur nächsten Etappe auf mein Rad. Da ich dieses Mal keine starke Gruppe in der Nähe hatte, beschloss ich einfach selbst die Initiative zu ergreifen und setzte mich vor ein Pärchen, damit es in meinem Windschatten fahren konnte. Die Rechnung ging zum Glück auf. Bald gesellten sich ein paar weitere Fahrer zu uns, die den Windschatten gerne ausnutzten und wir begannen uns abzuwechseln. Die Gruppe wurde nicht so stark wie erhofft, weshalb ich recht oft und lange vorn fahren musste.
Bei Kilometer 257 fuhr ich das nächste Depot an um meine Flaschen zu füllen. Zu diesem Zeitpunkt spürte ich die Ermüdung meiner Muskeln zum ersten Mal. Außerdem fing ich an zu spüren, dass ich in der Nacht zuvor gerade mal 2 Stunden geschlafen hatte. Ich hielt die Pause also kurz, vor allem weil ich gerade ein Radsport-Team los radeln sah. Zack auf’s Rad und an das Team ran gehängt. Zuerst wollte ich mich in das Team einreihen um mich an der Führungsarbeit zu beteiligen, allerdings war das nicht erwünscht. Der Coach des Team gab mir zu bedeuten, dass ich gern hinten neben ihm fahren darf, mich aber nicht unter das Team mischen dürfe. Nichts besser als das! So fuhr ich den ganzen Rest in der Gruppe im Windschatten.

Mein Ticket ins Ziel

Ich fuhr die ganze Zeit mit der Gruppe zusammen die letzte Etappe Richtung Motala und mir war klar: Das ist mein Ticket ins Ziel. Die letzten zwei Depots haben wir einfach ausgelassen und fuhren durch. Am ersten Kreisel in Motala stand auch meine Frau und winkte mir zu, nun wusste ich: Gleich bin ich am Ziel und ich genoss die letzten Kilometer in vollen Zügen. Es ging noch mal links um die Kurve und auf die Zielgerade der Vätternrundan.

Fazit

Einzigartig, wundervoll, grandios und Stolz. Das sind die Worte die mein Erlebnis Vätternrundan 2017 beschreiben. Seit Ende der letzten Saison 2016 hatte ich mich auf die Vätternrundan gefreut und zu meinem Saisonhighlight 2017 ernannt und wisst Ihr was? Das war es auch! Ich kann nur jedem Empfehlen diese Tour, dieses Rennrad-Festival einmal mit zu machen. Ich denke, ich werde nächstes Jahr wieder am Start sein.
Als Ziel hatte ich mir unter 15 Std. Brutto und 12 Std. Neto gesetzt. Erreicht habe ich Netto 9 Stunden 30 und Brutto 10 Stunden 40, mit einem Pace von 31,5 km/h. Der Hammer!

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